Als ich hier angefangen habe, 2009, war Lia noch ganz klein. Ich glaube, zweieinhalb Jahre alt. Ich habe im Bachelor studiert und musste ein Praktikum machen.

 

Ich suchte etwas, wo es für mich mit Kind nicht zu schwierig  wurde, weil ich auch Alleinerziehende bin. Dann sah ich den strassen|feger und dachte 'Ja, toll, hier könnte es mir gefallen'. Die Vereinsarbeit hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich geblieben bin.

 

Bis 2016 habe ich ehrenamtlich gearbeitet. Im Wintersemester 2015 habe ich mein Masterstudium beendet, danach bezog ich bewusst Leistungen vom Jobcenter, mit der Aussicht 2016 meine eigene Stelle zu schaffen und finanzieren zu können. Im selben Jahr haben wir auch die Notübernachtung eröffnet. Das waren monatelang harte Arbeit.

 

Obwohl wir keine Fördergelder für den Betrieb der Notübernachtung hatten, habe ich eröffnet, denn ich dachte, wenn wir schon eröffnet haben, wird es klar wie wichtig eine zusätzliche ganzjährige Notüber-nachtung ist. Es war troztdem schwierig eine Teilfinanzierung zu bekommen.

 

Ausschlaggebend war, dass wir mit einem Flüchtlingsheim unter einem Dach sitzen, das durchfinanziert wird und wir – die Obdach-losenunterkunft – hätten schliessen müssen. Zumal Geflüchtete auch obdachlos sind und in unsere Notunterkunft schlafen.

 

Am Anfang gab es viele Bedenken, dass eine Notübernachtung und ein Flüchtlingsheim unter einem Dach ohne Stress funktionieren können.  Weder die Politik, noch die Verwaltung, noch die Leute hier glaubten daran. Mittlerweile läuft es. Aber nur, weil wir so ein gutes Team sind. Wir leben in einer guten und friedlichen Nachbarschaft und unterstützen uns gegenseitig.

Wir haben 'was vor uns. Die Lage wird nicht besser. Immer häufiger werden Familien obdachlos und fallen aus dem System raus. Ich finde es total falsch, Kinder gehören nicht in Notunterkünfte. Aber der Bedarf ist da, und dass zeigt einfach, an welchem Punkt wir mitterweile sind.

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